Italienreise

Herbst 2023 – Anders als geplant … aber doch sehr schön …

Die Planung für die Herbstferien 2023 war eigentlich eine „Rund-Adria-Reise“ (den italienischen Stiefel hinab bis Brindisi und dann an der Adria wieder zurück), bei der wir die „weißen Flecken“ unserer touristischen Landkarte mit Eindrücken füllen wollten. In Apulien interessierte uns das Landesinnere und an der Adria wollten wir endlich den „Lückenschluss“ zwischen Vlores in Albanien und Budva in Montenegro schaffen.
Gebucht haben wir die Fähre für mittwochs – und auch die Zimmer bis dahin in Italien.

Nach einem beeindruckenden Jazz-Konzert in der Alten Feuerwache in Mannheim (Quadro Nuevo) machen wir uns am Freitagabend (13.10.) auf den Weg nach Italien. Auf der gewohnten Route kommen wir auch gut voran, legen in der Schweiz noch einen kurzen Schlafstopp ein und sind am Morgen auch schon in Como an „unserem Carrefour“, wo wir uns kurz verproviantieren und im benachbarten Café den ersten Cappuccino genießen.

Das Café ist offen – der Grill noch geschlossen

Kurz hinter Ancona ist dann Mittagsrast am Meer, wo wir einen Strand mit vielen flachen Kieselsteinen vorfinden, und am späten Nachmittag erreichen wir dann auch schon unser erstes Tagesziel – Pescara.

Dier flachen KIesel in allen Größen

Die Stadt an sich ist nicht überwältigend, da sie nur einen sehr kleinen Altstadtkern hat, dafür ist aber die Gelateria phänomenal. Das Fruchteis besteht quasi nur aus Früchten …
Am Sonntag lassen wir es gemütlicher angehen, und schauen uns auf dem Weg zur Halbinsel Gargano erst einmal die Trabocchi (Fischerhütten, die aufs Meer hinaus gebaut sind) entlang des Weges an und besichtigen Termoli mit seinen schönen Altstadtgässchen.

Imposante Bauten auf Stelzen
Die Altstadt von Termoli liegt oben auf einer Klippe

Die Halbinsel Gargano, die als Berg mit einer großen Hochebene den Stiefelsporn bildet, beeindruckt uns schon bei der Anfahrt auf schmalen Sträßchen. Wir wundern uns, dass uns so viele Busse entgegenkommen, können das Rätsel aber mittels Reiseführer lösen, der uns erklärt, dass nach San Giovanni Rotondo jährlich ca. 7 Mio Menschen pilgern.

In der landwirtschaltlich geprägten Umgebung gibt es viele solcher „Feldbrunnen“

Auch in Monte Sant Angelo, unserem Ziel herrscht reges Treiben. Wir haben jedoch Glück und können uns die in einen Felsen gebaute Kirche „Santuario di San Michele Archangelo“ noch ohne große Warteschlange anschauen.

Noch ohne „Stau“ – das Portal zur Kirche „Santuario di San Michele Archangelo“

Wir schlendern anschließend noch etwas durch die Gassen, besichtigen die Burg und holen unser Mittagessen mit gerösteten Maroni nach (sehr lecker).

Der Eingang zur Burg
Die Burg im Licht eines seltenen Sonnenstrahls

Als sich die Stadt immer mehr mit Touristen füllt, verabschieden wir uns und machen uns auf den imposanten Weg den Steilhang hinab nach Mattinata, wo ein malerisches Hotel (die Rezepzion ist in einem alten Torre unergebracht) erwartet. Zum Abendessen müssen wir allerdings ins Dorf fahren, da am Meer bereits alle Restaurants geschlossen sind.

Direkt neben dem Torre steht dieser impossante Olivenbaum

Das Castel del Monte möchte Ulrike schon sehen, seit sie eine Abbildung im Geschichtsbuch der Mittelstufe gesehen hat. Heute ist es endlich soweit. Wenn auch das Wetter eher bewölkt ist, ist die Aussicht von der Burg und die Architektur doch sehr beeindruckend.

Die Datsche Babarossas

Der Spaziergang vom Parkplatz zur Burg (an der Burg kann man auch parken, wenn man sich traut) verschafft uns ein wenig Bewegung, bevor wir uns weiter auf den Weg machen. Da zwischenzeitlich eine Mail der Fährgesellschaft gekommen, ist, dass die Fähre am Mittwoch gestrichen ist und wir uns Dienstag oder Donnerstag als Ersatztermin aussuchen können (wir nehmen den Donnerstag), haben wir noch ausreichend Zeit und verschieben unseren eigentlich für den Nachmittag geplanten Besuch von Matera auf morgen. Stattdessen besichtigen wir spontan Gravina in Puglia, eine Stadt, die an einer Schlucht in der Hochebene (Murgia) gelegen ist und eine spektakuläre Aussicht bietet (wir kennen Matera ja noch nicht!).

Die alte Steinbrücke über die Schlucht wird gerade renoviert
Die Kathedrale direkt über der Schlucht

Wegen des Wetters verzichten wir auf die Wanderung zur anderen Seite der Schlucht, suchen vergeblich nach einem geöffneten Café und machen uns dann wieder auf den Weg zu unserem Tagesziel: Santeramo in Colle – eine Stadt, wie unzählige andere in der Region – die auf einem Hügel thront, und an deren Hauptplatz wir ein Zimmer in einem ehemaligen Palazzo gemietet haben. Auf der Suche nach einem geöffneten Restaurant erkunden wir die Stadt und finden schließlich eine nette Pizzeria ganz in der Nähe unseres Zimmers.

Ulrike vor „unserem“ Palazzo

Den Dienstag widmen wir ganz Matera – leider im Dauerregen. Die findigen Schirmverkäufer stehen auch schon gleich parat (da Wetteronline das Ende des Regens für 11 Uhr angekündigt hat, haben wir auf den Schirm verzichtet) und verkaufen uns ein Exemplar in schönem lila, dass zumindest den sonst eher tristen Fotos einen Farbtupfer verleiht.

Sven mit dem „Farbtupfer“

Die Stadt selbst verdient den Status des Weltkulturerbes und man könnte mehrere Tag hier verbringen.

Bei diesem Licht und nur mit dem Handy schwer im Bild zu zeigen – Matera
Kunst vor dem Bau – die Autos stören das Bild extrem

Doch leider heißt es am späten Nachmittag Abschied nehmen. Wir holen unser Auto in der Tiefgarage ab (dort werden die Autos nicht selbst eingeparkt, sondern am Eingang abgegeben und wieder abgeholt) und fahren in unser Hotel kurz vor Ostuni. Mittlerweile ist unsere Routenplanung etwas verquer, da wir ja einen Tag mehr zur Verfügung haben und unsere Tour entschleunigt haben. Im Hotel (hier gibt es nur ganz schlechtes W-Lan und keinen Handyempfang) schaffen wir es noch, die fehlende Übernachtung zu buchen. Und da wir ja mehr Zeit haben, beschließen wir, Polignano a Mare in unser Programm mit aufzunehmen und als morgiges Tagesziel nach der Besichtigung von Alberobello dort zu übernachten. Gesagt, getan – wir finden eine Übernachtung direkt im Stadtzentrum. Und Ostuni (sozusagen in direkter Nachbarschaft zu unserem Hotel) verschieben wir auf Donnerstag, wo wir auf dem Weg zur Fähre ja sowieso vorbeikommen – so zumindest die Planung …
Schon auf dem Weg nach Alberobello beeindrucken uns am Mittwoch die vielen Trulli (auch Neubauten), die wir überall in der Landschaft sehen. In Alberobello selbst dann das pure Trulli-Mekka!!! Leider ist das Museum geschlossen, aber auch so sind wir von den kleinen runden Häuschen mit Spitzdach restlos begeistert (zumindest Ulrike).

Über den Dächern von „Schlumpfhausen“
Ein seltener Schnappschuss – ohne wirklich viele „Besucher“
Das ist eher der „Normalzustand“
ihr ist der Rummel egal

Am Nachmittag legen wir noch einen kleinen Zwischenstopp in Putignano ein, als uns die Mail der Fährgesellschaft erreicht, dass unsere Fähre am Donnerstag wegen des angekündigten Sturmes nicht fahren kann…Die erste Möglichkeit ist erst wieder am Samstagabend…. Das ist definitiv zu spät für unsere Reiseplanung … Also mal wieder Plan B … Wenigstens haben wir noch keine weiteren Zimmer gebucht!

schönes „Detail“ in der Alststadt von Putigano

Doch zunächst genießen wir die schöne Atmosphäre in Putignano und machen uns weiter auf den Weg nach Polignano a Mare.

gemischter „Gemüseanbau“ in der Abendsonne
Was für ein Postkartenmotiv

Die Stadt, auf Klippen über dem Meer gebaut, ist beeindruckend und unser Appartement liegt auch direkt am Meer und in Stadtnähe, sodass wir am Abend ausgiebig bummeln können.

Tiefe Buchten durchschneiden die Klippen
Unter der Stadt sind viele Hohlräume in den Klippen – wie lange das noch hält?

Nach einem super leckeren Frühstück in Putignano machen wir uns am Donnerstag auf den Weg … Wir haben uns dafür entschieden, gemütlich Richtung Heimat zu fahren und auf dem Weg noch ein paar Zwischenstopps einzulegen. Assisi und Florenz stehen auf dem Programm. Ostuni müssen wir leider vom Programm streichen, da es für uns nun einen zu großen Umweg bedeuten würde.
Durch die Berge (leider sehen wir nicht viel von ihnen, da die Strada Statale mittlerweile fast ganz in Tunneln verläuft) des Appenin erreichen wir am Nachmittag Assisi und können uns die nach dem Erdbeben von 1997 (das war kurz nachdem Ulrike Assisi zuletzt besucht hatte) fast wieder originalgetreu aufgebaute Basilika anschauen.

Die Basilika hoch oben im Abend(rest)licht

Wir haben Glück, denn die Stadt ist nur wenig besucht und können ungestört durch die Altstadtgässchen schlendern.

Erstaunlicher Weise gibt es hier viele Wildmetzgereien – beim Tierfreund Bruder Franz

Mit Einbruch der Dunkelheit verlassen wir Assisi um zu unserer gebuchten Übernachtung in der Nähe von Arezzo zu gelangen. Wir haben in der Nähe der Autobahn gebucht – und werden überrascht, als uns die Straße zu einem Bilderbuchort, der auf einem toskanischen Hügel (mit Kirche auf der einen und Burg auf der anderen Seite des Hügels) thront führt. Unsere Übernachtung findet dann auch stilecht im Palazzo Ninci statt. Auch wenn es schon spät ist, machen wir einen kleinen Rundgang durchs Dorf.

Der Blick aus unserem Fenster
Die Skulptur hat einen ähnlichen traurigen Anlass wie das Zalogo Denkmal bei Preveza
geballte Zeitgeschichte im Heimatmuseum
Das Masaker haben die Nazis zu vernatworten – 1944!
Ein Platz, an dem man sich als Deutscher heute noch schämen muss!

Am Freitag verabschieden wir uns von Civitella In Val di Chiana mit dem Ziel Florenz.
Als wir am späten Vormittag ankommen, halten sich die Besuchermassen noch in Grenzen.

Der lila Schirm ist wieder mit von der Partie

Doch schon zur Dombesichtigung müssen wir fast eine Dreiviertelstunde anstehen.

Von außen deutlich imposanter als im schlichten Innern

Als sich die Stadt dann immer mehr füllt, verlegen wir unsere Besichtigungen auf Abstand und machen in einem Park eine späte Mittagsrast, bevor wir nach etwa 5 Stunden Florenz „Ade“ sagen und unser vermeintlich nahegelegenes Nachtquartier ansteuern.

Auch die berühmte Ponte Vecchio ist propenvoll
Für den Besuch in der Synagoge sind wir 15 Minuten zu spät – schade

Bezüglich der Wegstrecke ist die Übernachtung in der Nähe von Barberino di Mugello zwar nahegelegen, befindet sich aber auf dem Berg und muss per asphaltiertem Feldweg mit abenteuerlichen Steigungen erreicht werden.

„unser“ Chalêt am Berghang

Die Aussicht ist jedoch sehr schön und nachdem wir zum Abendessen nochmal ins Tal gefahren sind, kommt uns der Weg am nächsten Morgen auch nicht mehr ganz so lang vor.

Eine andere „Mischkultur“ (Oliven und Wein)

Für Samstag haben wir uns Bergamo als Besuchsziel ausgesucht. Wir parken in der Unterstadt und wollen (laut Reiseführer ein „Muss“) mit der Seilbahn hinauf in die Oberstadt fahren. Als wir die Warteschlange sehen und kurz die Wartezeit überschlagen, beherzigen wir den Rat der Informationstafel, den Weg nach oben doch anders zurückzulegen und die Seilbahn auf dem Rückweg zu nutzen …

The Stairway to Altstadt

Nach fünfminütigem Spaziergang sind wir auch schon oben angelangt und verbringen einen eindrucksreichen Tag in Bergamo mit Museums- und Kirchenbesichtigungen und dem Test der Süßigkeitenspezialität „Polenta e osei“ (wirklich sehr süß – das Miniteil reicht vollkommen aus, um den Zuckerbedarf des Tages zu decken).

It never rains in southern Italy – naja der Himmel lässt anderes vermuten
(wir sind ja auch schon im Norden angekommen)
Den besten Blick auf die Stadt hat man vom Bergfried
Die Stadtkapelle
Das Stadtmuseum ist in einem alten Palazzo beheimatet

Auch auf dem Rückweg ist an der Funicula die Warteschlange beeindruckend lang, sodass wir wieder den Fußweg wählen. Nachdem wir uns verproviantiert haben, machen wir uns auf den Weg zu unserer letzten Übernachtung (wir haben sie gewählt, weil sie so schön auf dem Weg liegt), einem Bungalow auf einem Campingplatz. Der Bungalow ist zweckmäßig und warm und wir können das mittlerweile aufgezogene Gewitter (Sven wird klitschnass, als er noch die Kissen aus dem Auto holt) gut „abwettern“.
Nach dem obligatorischen Stopp am Carrefour in Como und einem leckeren Frühstück im nahegelegenen Café (das einzige, das weit und breit sonntags geöffnet ist) machen wir uns mit unserem tapferen Wägelchen auf den Heimweg und erreichen am frühen Abend mit einem Zwischenstopp im Cafe (leider ohne Schwarzwälderkirschtorte), in Scheibenhard (zum Reifen abholen) und an der B48 (zum Kastaniensammeln) Oberstaufenbach …